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Hör-Tipp: Moderne Kontinenztherapie – Training statt Verzicht
Kathleen Friedrich, Leiterin des Therapeutischen Bereichs der Immanuel Klinik Märkische Schweiz, ist zu Gast bei „Natürlich gesund“ und spricht über moderne Kontinenztherapie und die Bedeutung von Beckenbodentraining.
Blasenschwäche und Beckenbodenprobleme sind weit verbreitet und dennoch sprechen viele Betroffene nur ungern darüber. Dabei gibt es wirksame Möglichkeiten, Beschwerden zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
In der Sendung „Natürlich Gesund“ vom 18.08.2026 spricht Kathleen Friedrich, Leiterin des Therapeutischen Bereichs der Immanuel Klinik Märkische Schweiz, über moderne Ansätze der Kontinenztherapie.
Im Gespräch geht es unter anderem darum, für wen Beckenbodentraining sinnvoll ist, wann eine physiotherapeutische Behandlung helfen kann und warum Beckenbodentraining längst nicht nur ein Thema für Frauen nach einer Schwangerschaft ist. Auch Männer können beispielsweise nach einer Prostataoperation von gezieltem Training profitieren.
Ein weiterer Schwerpunkt sind moderne Hilfsmittel: Die Rehaklinik setzt unter anderem auf einen Beckenbodentrainer mit visuellem Feedback. Doch wie funktioniert diese Technologie und welchen konkreten Vorteil bietet sie für die Therapie?
Kathleen Friedrich erklärt, was Betroffene selbst tun können und warum bei Blasenschwäche und Beckenbodenproblemen vor allem eines gilt: Training statt Verzicht.
Moderne Kontinenztherapie: Training statt Verzicht
Kathleen Friedrich, Leiterin des Therapeutischen Bereichs in der Immanuel Klinik Märkische Schweiz Fachklinik für Onkologische Rehabilitation, ist zu Gast in der Sendung „Natürlich gesund“. Sie gibt Einblicke in die moderne Kontinenztherapie und erklärt, für wen Beckenbodentraining sinnvoll ist.
Julia Nogli:
Radio Paradiso mit der Sendung Natürlich gesund. Mein Name ist Julia Nogli und unser Thema heißt heute Moderne Kontinenztherapie Training statt Verzicht. Und darüber spreche ich mit Kathleen Friedrich.
Sie ist Leiterin des therapeutischen Bereichs der Immanuel Klinik Märkische Schweiz Fachklinik für onkologische Rehabilitation. Schön, dass Sie da sind.
Kathleen Friedrich: Hallo. Hallo, ich freue mich.
Julia Nogli:
Ja, erst mal ganz allgemein. Was ist Ihre Arbeit dort?
Was findet in dieser Abteilung statt?
Kathleen Friedrich:
Ich bin Physiotherapeutin in erster Linie natürlich. Und seit zehn Jahren leite ich den therapeutischen Bereich. In meinem Bereich sind 20 Kollegen tätig.
Davon gibt es Ergotherapeuten, Sporttherapeuten und eben Physiotherapeuten.
Julia Nogli:
Ja, und wir sprechen heute über moderne Kontinenztherapie. Sie haben das extra so genannt und nicht Inkontinenz, wo jeder daran denkt, an dieses Wort. Und ja, da hat man so vor sich so eine Werbung im Vorabendprogramm im Fernsehen und so weiter.
Frauen, ältere Frauen, unsicher. Und kann ich da noch mitmachen? Und dann werden Lösungen angeboten und so.
Also das ist schon ein großes Thema. Blasenschwäche oder Beckenbodenprobleme. Für wen ist das ein Thema?
Wen kann das betreffen?
Kathleen Friedrich:
Absolut, das ist ein ganz großes Thema. Und letztlich kann es jeden betreffen. Männer sowie Frauen.
In der Öffentlichkeit sind meistens natürlich immer Frauen im Fokus. Man sieht das, wie Sie es gerade so schön gesagt haben, in der Werbung wird das immer ganz doll verdeutlicht. Aber in der Klinik, wo ich arbeite, gibt es natürlich einen ganz großen Anteil an männlichen Patienten.
Das ist eben der urologische Part, also sprich nach einer Prostata-Operation. Und letztlich können alle Probleme mit dem Beckenboden bekommen, erworben durch, wie eben genannt, Operationen. Aber auch ganz normal im Laufe des Lebens, wenn man älter wird, die Elastizität des Gewebes lässt nach.
Viele Dinge verändern sich. Bei der Frau, das ist der Klassiker, was man eben kennt, durch Schwangerschaft. Der große Bauch, das Gewicht auf die Organe verändert den Zug der Muskulatur.
Da gibt es ganz, ganz viele Ursachen. Letztlich ist keiner geschützt davor.
Julia Nogli:
Und wie genau, hatten Sie eben schon angedeutet, begegnet Ihnen das dort in der Praxis, in der Abteilung?
Kathleen Friedrich:
Wir haben einen ganz großen Teil, sowohl eben Männer als auch Frauen. Männer, wie gerade schon gesagt, nach Prostata-Operationen, aber auch Darm-Operationen. Und bei den Frauen ganz viel eben auch nach Unterleibs-Operationen.
Aber wir machen auch prophylaktisch natürlich. Also letztlich ist Vorsorge immer besser, als wenn dann schon das Problem entstanden ist. Deswegen ist prophylaktisch immer, immer die beste Ausgangssituation.
Ja, also wenn im Gespräch mit dem Arzt der Wunsch des Rehabilitanten da ist, dass eben da auch gerne was gemacht werden soll, dann kommen halt auch diese Leute schon mit in die Gruppe hinein. Und ansonsten ganz klassisch natürlich. Sie kommen nach einer Operation und haben eben Schwierigkeiten, den Hahn zu halten, den Stuhl zu halten, haben Schmerzen in dem Bereich, Wundprobleme sind noch da und darauf gehen wir dann eben ein.
Julia Nogli:
Das ist ja sehr schamhaft auch, ein belastetes Thema. Gehen Sie da auf die Leute auch von sich aus zu und sprechen Sie an?
Kathleen Friedrich:
Absolut. Ich bin seit 26 Jahren in dieser Klinik tätig, mit ganz viel Herzblut dabei, wirklich gerade zu diesem Thema. Und ich muss sagen, dass es in den letzten Jahren deutlich besser, offener geworden ist, aber nach wie vor immer noch so ein ganz großes Schamthema bei vielen ist.
Und man kann hier auch tatsächlich überhaupt nicht sagen, dass das eher die ältere oder jüngere Generation ist. Es ist absolut gemischt. Es gibt Ältere, die sind so offen, wo ich dann manchmal denke, ja.
Und bei den Jüngeren ist das genau dasselbe. Da gibt es eben auch Leute, die trauen sich nicht. Und dann fragt man im Gespräch schon mal gezielt danach.
Das ist als erstes in der Aufnahme bei dem Arztgespräch ja schon Thema. Und dann kommen die Leute ja mit ihren Therapien, Vorschlägen vom Arzt zu uns und in diesen Gruppentherapien und auch einzeln, je nachdem, was dann verordnet ist, fällt dann irgendwann auch immer mal in diese Richtung dieses Thema. Das heißt, wenn es nicht explizit schon verordnet ist und das irgendwo fällt, dann kümmern wir uns direkt dann da auch vor Ort, dass das dann noch mal nachverordnet wird und die Leute dann bei uns ein spezielles Training miterleben dürfen.
Julia Nogli:
Ein abgesenkter Beckenboden, das ist ja nicht nur ein Problem eventuell des Urinverlustes, sondern der macht auch so Probleme, oder?
Kathleen Friedrich:
Richtig, das können ganz viele Probleme sein. Das kann im Alltag ein Rückenschmerz, ein tiefsitzender unterer Rückenschmerz, ein Steißbeinschmerz, Leute, die gerne und viel Fahrrad fahren und merken, dass sie, wenn sie länger auf dem Fahrradsattel sitzen, das Gesäß einschläft oder der Steiß wehtut. Viele Dinge können darauf hindeuten.
Eingeschränkte Hüftgelenksbeweglichkeit ist auch ganz oft in einem sehr engen Zusammenhang mit dem Beckenboden zu sehen. Also deswegen, man kann überhaupt nicht pauschal sagen, ja, die Leute sind inkontinent im Sinne. Was bedeutet inkontinent?
Also ein Tropfen ungewollter Harnverlust zählt schon als sogenannte Inkontinenz. Das heißt, beim Husten, beim Niesen ist das so das Klassische, was man eben draußen kennt. Viele Leute sagen ganz häufig, ja, das passiert, wenn ich erkältet bin.
Wenn das vorbei ist, dann ist alles wieder gut. Und deswegen ist das oft so ein Thema, was sich sehr verschleppt. Frauen, man sieht das ja leider in der Werbung.
Es wird mit Vorlagen binden, unterstützt und somit wird nicht unbedingt die Welt da draußen motiviert, das dann auch offen anzusprechen. Und es gibt immer noch zu wenig Aufklärung, dass man mit Physiotherapie ganz viel gegensteuern kann, sowohl, wenn das Problem da ist, als auch eben vorher schon. Genau das sagten Sie eben, Prophylaxe.
Julia Nogli:
Was würden Sie da machen? Gibt es da so Übungen?
Ja, es gibt spezielle Beckenbodenübungen.
Natürlich, dass man einfach erst mal im Grunde in drei verschiedenen Ansätzen dran geht, eine Wahrnehmung macht, dass die Leute überhaupt spüren. Wo ist der eigentlich genau? Dass man einfach die Region ein bisschen bewusster macht.
Dann gibt es eben Übungen zur Sensibilisierung und natürlich auch je nach Problemlage dann zur Kräftigung. Denn es ist ja eine Muskulatur, die man sozusagen auch aktivieren kann. Richtig, das ist eine Muskelplatte.
Es sind insgesamt um die 30 Muskeln. Also es ist wirklich sehr umfangreich. Das ist nicht eben mal nur so ein kleiner Muskel.
Im Verhältnis zum Körper natürlich eine kleine Region. Und deswegen wird es halt gerne vernachlässigt. Aber da sind schon ganz viele Muskeln, die eben eine wichtige Rolle spielen, damit in unserem Körper alles gut funktioniert.
Julia Nogli:
Und die kann man auch trainieren, zum Beispiel nach einer OP offenbar, aber auch schon noch im höheren Alter?
Kathleen Friedrich:
Absolut. Es ist keine Frage des Alters.
Das kann die 20-Jährige genauso wie die 80-Jährige und bei den Männern selbstverständlich genauso. Es ist nie zu spät. Also in jedem Alter haben wir Rehabilitanten bei uns und immer auch ein Stück Erfolg.
Selbstverständlich muss man sich klar sein, dass die letztlich die Erfolge schon natürlich variieren. Bei einer 20-Jährigen wird eine ganz andere Zielstellung sein und da wird mehr möglich sein. Aber es kann immer, immer was verändert werden.
Julia Nogli:
Und diese Übungen, einmal bei Ihnen gelernt, die kann man dann praktisch auch immer weitermachen?
Kathleen Friedrich:
Richtig, die kann man immer weitermachen. Es gibt bei uns natürlich auch so ein kleines Handout mit dazu, was die Leute dann mitbekommen. Kurz zusammengefasst genau das, was wir halt im Inhalt gemacht haben.
Übungen, nochmal die Erklärung dazu. Und meistens ist es in der Tat so, dass wenn die Leute das erst mal wieder ein bisschen angebahnt haben, macht der Körper das auch automatisch. Das ist letztlich so wie das Atmen.
Ich spanne meinen Beckenboden immer unbewusst an. Ich kann ihn bewusst sensibilisieren. Das ist das, was wir den Leuten versuchen zu vermitteln.
Aber letztlich arbeitet er den ganzen Tag genauso, wie eben meine Atmung funktioniert. Das macht der auch, ohne dass ich daran denke, Gott sei Dank. Sonst hätten wir alle viel größere Probleme.
Aber genau, das ist letztlich das. Wer ein Problem hat, muss sich dessen bewusst sein, dass er immer irgendwie auch etwas machen muss. Weil sobald man aufhört und nichts mehr tut, ist die Gefahr eines Rezidivs, also dass die Probleme halt wieder kommen, ganz groß.
Julia Nogli:
Bei Ihnen in der Reha-Klinik gibt es neben diesem klassischen Training, was Sie gerade beschrieben haben, auch weitere moderne andere Hilfsmittel. Was ist das denn so?
Kathleen Friedrich:
Genau, unterstützend neben dem aktiven Kontinenztraining bekommen die Leute bei uns eine Elektrotherapie-Behandlung. Das heißt also, wir machen unterstützend, noch mal in der Region legen wir Elektroden an, sodass sie aktiv in diesem Training, das ist sozusagen ein Feedback-Training, was visuell durch Kribbeln eines Stromes simuliert wird. Und sie müssen aktiv ihren Beckenboden anspannen.
Genau das, was sie vorher im Kontinenztraining, im aktiven Training gelernt haben. Das ist so ein klassischer Part. Und das Zweite ist, was wir schon seit vielen Jahren inzwischen machen und unterstützend anwenden, ist der sogenannte Beckenbodentrainer.
Ja, das kann man sich vorstellen. Man sitzt dort auf einem Sattel und dort befindet sich ein Sensor und man hat einen Bildschirm vor sich. Und ich beschreibe das immer gern so, dass für die Leute das ist quasi wie malen nach Zahlen, nur mit dem Beckenboden.
Man hat dann auf dem Bildschirm eine sogenannte Kurve, die unterschiedliche Formen haben kann. Und man muss diesen Sensor auf diesem Sitz ein bisschen einstellen, damit halt der Druck im Dammbereich deutlicher wird, dass quasi der Sensor spürt, ich habe Kontakt. Und wenn dann der Rehabilitant, die entsprechende Person dort sitzt und eben seinen Beckenboden anspannt, dann gibt es halt eine Übertragung auf den Bildschirm.
Und dann sehe ich, ah, jetzt spanne ich meinen Beckenboden an und dann müssen sie halt dieser Kurve, die sie dort sehen, folgen. Und damit kriegen sie quasi eine 1 zu 1 Rückmeldung, dass sie auch an der richtigen Stelle anspannen.
Julia Nogli:
Das ist toll, weil es wird Ihnen ja auch oft begegnen, dass Leute gar nicht so richtig wissen, wo ist mein Becken? Wie spanne ich den jetzt an, bis man das so verstanden hat? Zum Beispiel weiter hinten, als man immer denkt, glaube ich.
Genau, sowohl als auch.
Kathleen Friedrich:
Also letztlich streng genommen irgendwo in der Mitte. Man unterscheidet ja sowohl beim Mann als auch bei der Frau vom vorderen und hinteren Schließmuskel. Der Beckenboden ist quasi das Ganze in der Mitte auch noch mal.
Im Dammbereich haben wir ja bei der Frau auch noch mal einen ganz gewissen Anteil. Und ja, letztlich ist es sozusagen das ganze Zentrum im Becken, im Dammbereich, was wir eben ansprechen wollten. Und ja, der Beckenbodentrainer ist dort eine super Unterstützung.
Setzt natürlich aber voraus, dass halt im Kontinenztraining vorher das gut angebahnt ist. Weil man muss schon ehrlich sein, wenn man das möchte, kann man dort auch natürlich schummeln, wie in vielen anderen Bereichen. Letztlich hat man natürlich nichts davon, weil man sich ja seinen eigenen Erfolg damit verbaut.
Aber deswegen wird das auch immer physiotherapeutisch betreut. Die Leute sitzen dort nicht allein und sollen wirklich lernen, gezielt ihren Beckenboden anzuspannen. Der Klassiker in der Bevölkerung ist immer noch so, dass die Leute denken, wenn ich mein Gesäß anspanne, habe ich auch meinen Beckenboden dabei.
Das ist grundsätzlich natürlich nicht falsch, dass der dann automatisch mit angespannt wird. Aber wenn wir uns vorstellen, im Alltag, in der Öffentlichkeit, wenn ich draußen auf der Straße laufe und ich spanne mein Gesäß an, wo ich denke, ich will jetzt den Beckenboden anspannen, dann sieht das ein bisschen komisch aus. Und alle Leute sehen, was ich da tue.
Und deswegen ist es eben ganz wichtig, dass man das isoliert anspannen kann. Das ist eben eine Muskulatur, die sich im Inneren des Beckens befindet, von außen sozusagen nicht sichtbar. Und deswegen darf man dann auch keine Nebenspannungen, wie man so schön sagt, erkennen können.
Und das kann man mit all diesen Hilfsmitteln wunderbar trainieren, mit den Leuten. Und in den drei Wochen kriegen die das auch wundervoll hin und haben dann einen guten Ansatz, da zu Hause dann weiterzumachen.
Julia Nogli:
Toll. Also was würden Sie dann Leuten raten, die da Probleme haben, vielleicht schon länger und sich aber nie getraut haben, da mal nachzufragen? Nicht mal bei der Ärztin oder beim Arzt?
Kathleen Friedrich:
Auf jeden Fall nachzufragen, gezielt hinzugehen. Eigentlich ist ganz häufig das Fragen natürlich schon ein wichtiger Aspekt. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es noch viel, viel, viel besser ist, wenn die Leute direkt auch sagen, was sie gerne möchten.
Also sprich, ich möchte gerne Unterstützung haben. Ich brauche dort Hilfe. Ich möchte ein Training für meine Beckenbodenmuskulatur, für meinen Schließmuskel haben, weil ich die und die Probleme habe und möchte dort gerne fachliche Unterstützung.
Und dann sollte das über den entsprechenden Facharzt oder auch Hausarzt mit Rezept überhaupt gar kein Problem sein. Also das ist immer zu empfehlen.
Julia Nogli:
Also so wie in Ihrer Abteilung kann man dann aber zur Gynäkologin, zum Urologen und dann vielleicht auch Physiotherapie speziell, ne?
Kathleen Friedrich:
Richtig, ganz genau. Die Verordnung läuft über die Ärzte selbstverständlich. Aber wenn wir unten im Gespräch mitbekommen, dass diese Probleme dort sind, dann kümmern wir uns natürlich und suchen sofort den Kontakt zum Arzt und lassen diese Therapie dann ansetzen.
Dann geht das einfach schneller. Und ja, so wünscht man sich das eben auch draußen außerhalb der Klinik, dass die Leute einfach auch abgeholt werden und auch unterstützt werden. Und eben nicht allein da stehen gelassen werden und man ihnen dann als Antwort gibt, wie eben in dieser Werbung, ne?
Das ist jetzt normal, so nach dem Motto. Sie sind 80, keine Ahnung, als Beispiel und jetzt müssen Sie damit leben. Und das ist wirklich absolut falsch.
Das muss man immer wieder sagen.
Julia Nogli:
Und interessanterweise haben Sie ja eben auch die Erfahrung in Ihrem speziellen Bereich nach gewissen Eingriffen und OPs. Das ist ja das hauptsächlich, weswegen Sie da auch so drauf spezialisiert sind. Und das geht eben auch, da werden doch manche denken, da ist doch gerade irgendwas geschnitten oder gemacht worden.
Aber da haben Sie natürlich auch Wege, dass das gerade dann auch alles geht.
Kathleen Friedrich:
Richtig, da sind wir natürlich drauf spezialisiert, weil die meisten Leute zwei bis drei Wochen schon nach der OP bei uns sind. Und selbstverständlich sind dann noch Wundschmerzen da. Und letztlich ist in diesem Zusammenhang ein Training, bevor so eine Operation gemacht wird, natürlich immer noch eine super, super ganz tolle Voraussetzung.
Wird aber leider sehr, sehr selten nur gemacht. Und das macht es dann gerade den Männern zum Beispiel noch mal ein bisschen schwieriger, weil die im Normalfall eher weniger Probleme haben. Im Alter bekommen auch Männer häufig Schwierigkeiten aufgrund einer normal physiologischen Vergrößerung.
Prostata können halt Probleme dann mit der Harnkontinenz sein. Aber bei uns ist es eben so, dass wir dann natürlich gezielt durchfazilitieren, durch verschiedene Wahrnehmungsübungen mit Kontakt, dass sie eben wirklich spüren, okay, da ist es. Und das sind alles so minimale Übungen, minimale Anbahnungen, dass das also quasi auch im Grunde unmittelbar nach einer Operation sein kann.
Und wir selbstverständlich immer Rücksicht auch auf diesen akuten, frischen Schmerz, der ja bei allen unterschiedlich ist, eingehen. Also das ist auch immer ganz wichtig. Egal, was wir tun, es darf niemals wehtun.
Also alles, was wir an Übungen machen, alles an mehr an Anspannungen machen. Nichts sollte einen zusätzlichen Schmerz auslösen. Dann machen die Leute zu viel.
Man muss schauen, ob es an der richtigen Stelle ist. Und nicht jede Übung ist für jeden auch gleich toll. Dann muss man auch individuell ein bisschen anpassen.
Aber es ist überhaupt gar kein Problem.
Julia Nogli:
Aber es ist eben so, Sie sagten schon, es sind teilweise so mini kleine Übungen, so kleine, fast so Wahrnehmungsgeschichten. Also das ist auch nicht was, glaube ich, was ich so ohne weiteres alleine zu Hause machen kann. Wenn ich das jetzt höre und denke, auch mache ich mal, ist schon ganz gut.
Erst mal mit Anleitung, oder?
Kathleen Friedrich:
Es ist auf jeden Fall immer zu empfehlen am Anfang. Man kann grob schon alleine was machen, wenn man im Netz nachschaut und überall welche möglichen Informationsquellen heute so zur Verfügung stehen. Dann findet man halt auch so klassische Anleitungen, wie stellen Sie sich vor, versuchen Sie den Harnstrahl anzuhalten.
Das ist so grundsätzlich schon erst mal was, was in die richtige Richtung geht. Man muss dann halt immer nur beachten, dass man eben, wie vorhin schon gesagt, das Gesäß nicht mit anspannt, bestimmte Oberschenkelmuskulatur, Innenpartien. Man neigt immer dazu, irgendwo auch zu pressen, zu stark irgendwas zu machen.
Und da kann man dann auch falsch trainieren. Das ist dann immer am Anfang schon ganz toll, wenn da auch fachlich ein bisschen geschaut wird, dass es eben nicht passiert. Weil wir wissen alle, wenn man sich einmal ein bisschen was falsch antrainiert hat, dann ist das auch wieder schwer zu korrigieren.
Und deswegen genau mit physiotherapeutischer Anleitung, ob jetzt in der Klinik, aber auch draußen in den Praxen, macht am Anfang als Start immer Sinn. Okay, machen wir den Anfang.
Julia Nogli:
Kümmern wir uns um unseren Beckenboden, vor allem, wenn man schon etwas älter ist oder eben schon leichte Probleme in dem Bereich hat. Schauen Sie für mehr Infos zum therapeutischen Bereich der Immanuel Klinik Märkische Schweiz, Fachklinik für onkologische Rehabilitation hier auch bei uns auf www.paradiso.de unter natürlich gesund. Einen angenehmen Abend für Sie mit Radio Paradiso.